Das Kalb in der modernen Milchwirtschaft

Das Buch "Die Wegwerfkuh" von Tanja Busse [3] hat mich auf dieses Thema gebracht. Ihre Geschichte und meinen eigenen Erfahrungen mit unseren Bio Bauern in Österreich. Da kann ich nur sagen " tu felix austria". Trotzdem bin ich zur Erkenntnis gekommen das die romantische Vorstellung vom Kalb das bei seiner Mutterkuh aufwächst in der modernen Milchwirtschaft jedenfalls ausgeträumt ist, das gibt es nicht mehr.

Ohne Kalb keine Milch

Kühe sind landwirtschaftliche Nutztiere für eine gesunde Ernährung der Menschen. Sie werden von den Bio Bäurinnen und Bauern gut versorgt. Auf einem guten Bio Milchbauernhof merkt man die Beziehung der Bäurinnen zu Ihren Kühen ganz besonders. Die Kühe haben Namen, sie werden gekrault speziell vor dem Melken. Die Bäurinnen kenne den Charakter jeder einzelnen Kuh und jede Kuh ist anders.

Im Gegenzug dafür geben uns die Kühe regelmäßig Milch als wertvolles Nahrungsmittel.

Ohne Kalb keine Milch. Eine Kuh gibt nur dann Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Etwa alle 14 Monate bringt eine Milchkuh ein Kalb auf die Welt. Während der letzten acht Wochen vor der Geburt wird die Kuh nicht mehr gemolken, der Landwirt «stellt sie trocken». Darum geben Kühe nur während etwa zehn Monaten im Jahr Milch. Diese zehn Monate werden Laktationszeit genannt. Je nach Veranlagung, Gesundheit, Alter und Futterqualität gibt eine Kuh eine gewisse Menge Milch pro Tag. Jungtiere geben die ersten beiden Jahre ihres Lebens noch keine Milch und bringen mit rund zweieinhalb Jahren ihr erstes Kalb zur Welt.

Wie geht man mit den Kälbern der Milchkühe um? Acht Bio Bauernhöfe im Raum Salzburg habe ich zu diesem Thema besucht und befragt. Klar wünscht man sich, als Konsument und Laie, die romantische Kalb Kuh Lösung aber ich habe auch die Meinung der Bäuererinnen akzeptiert, die seit Generationen Milchwirtschaft betreiben. Mein Resümee - hoffentlich bleibt uns die kleinbäuerliche Struktur erhalten, im Kleinen gibt es auch noch den Begriff - Tierwohl!

Echte Bio Betriebe sind besser

Das Gute am Beginn, in den kleinen Betrieben mit im Durchschnitt 10 bis 20 Kühen ist die Welt noch in Ordnung.
In den echten Biobetrieben ist nicht alles auf die Milchleistung ausgerichtet. Natürlich hängt das von den Landwirten selber ab. Die von mir besuchten klein strukturierten Milchbetriebe in der Salzburger Heumilchregion haben im Durchschnitt 16 Milchkühe. Die Geburtsprobleme bei den Milchkühen sind verschwindend gering. Das ist sicher auf die Aufmerksamkeit der Landwirte zurückzuführen. Eine Geburt ist immer noch ein Ereignis für die gesamte Familie. Den Kälbern wird auch nach der Geburt Zeit gewidmet. Der Verkauf der Kälber ist kein Problem auch wenn die Preise etwas schwankend geworden sind.

System Ammenkuh

Von den 8 Landwirten haben 5 das System einer Ammenkuh. Der Gerhard hat 20 Milchkühe und 3 Ammenkühe. Die sind nur für die Kälber da und geben denen die Milch. Er sagt das ist einfach besser die Kälber sind gesunder und es ist eine natürlichere Art der Kälberhaltung. Außerdem sind keine Milchaustauscher und keine Medikamente notwendig. Kälber sind halt schon viel arbeit aber das macht vorwiegend seine Mutter. Dreimal am Tag bekommen die Kälber Milch, da muss mann aber dabei bleiben. So wachsen die Kälber bis 90 kg heran und der Bauer erzielt einen guten Preis für das Kalb. Das System funktioniert in dieser Region wahrscheinlich deshalb so gut weil die Preise für Kälber in unserer Region einigermaßen stabil sind.

Fakt ist, eine Milchkuh bringt jedes Jahr ein Kalb auf die Welt, sonst wär sie ja keine Milchkuh.

Damit kommen jedes Jahr auf einen kleinen Bauernhof mindestens 20 Kälber auf die Welt. Mehr sind es natürlich auf einen Bauernhof in Sachsen mit zweitausend Milchkühen, einem eigenen Tierarzt und zwei Besamungstechnikern. Im Jahr 2007 gab es in Deutschland 4,57 Mio Milchkühe und in der EU 23,6 Mio, 2013 beriets 28,7 Mio Tendenz weiter steigend. Das wäre jetzt noch gar nicht die Dramatik. Bis vor einigen Jahren waren die Kälber ein Körberlgeld für die Bauern. Wäre da nicht... ja was? Es ist der Leistungsdruck, die Effizienzsteigerung die daraus ein Problem gemacht hat.

Die Besamungstechnik in der Milchwirtschaft

In praktisch allen Ställen mit Milchkühen wird die Besamung von Besamungstechnikern durchgeführt. Dabei sucht sich der Bauer die besten Milcheigenschaften und alles was zu einer modernen Milchkuh gehört aus. Das Funtkioniert wie in einem Katalog. Der Besamungstechniker kommt dann mit seinen tiefgekühlten Kunststoffröhrchen und steuert den Nachwuchs. Mit romantischem Tete a tete zwischen Kuh und Stier hat das nichts mehr zu tun. Mittels einer Pipette wird dann der bestellte Samen mit den gewünschten Eigenschaften in die Kuh abgegeben. Die Erfolgsqute ist hoch mehr als 70% der Kühe werden danach trächtig. Den Samen bekommen die Besamungsbeauftragten tief gefroren oder frisch im Kunststoffröhrchen von Zucht-Unternehmen. Diese Firmen verkaufen den Samen von Zuchtbullen. Konserviert ist das Erbgut in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad. So ist es unbegrenzt haltbar. [4] Damit ensteht auch auf dem kleinsten Bauerhof eine Hochleisungskuh mit optimaler Konzentration auf Milch.

Der berühmteste Zuchtbulle

Als Branchenstar und bislang unerreichtes Vorbild unter den Zuchtbullen gilt das kanadische Holsteinrind Starbuck, das bis zu seinem Tod im Jahr 1998 mehr als 200.000 Nachkommen zeugte. 685.000 Portionen seines gefrorenen Samens wurden für insgesamt mehr als 25 Millionen Dollar in 45 Länder exportiert und erzielten auch nach seinem Tod Rekordpreise. Von seiner beeindruckenden Statur, den starken Beinen und der exzellenten Milchqualität seiner Nachkommen schwärmen Züchter von Bogota bis Osnabrück noch heute. Doch was nach fortwährender Fleischeslust klingt, ist in Wahrheit ein einsamer Job: Der Liebesakt mit einer leibhaftigen Kuh bleibt dem Zuchtbullen meist lebenslänglich verwehrt. Vielmehr besteigt er täglich eine Kuhattrappe, deren Innerstes mit einer speziellen Auffangschale ausgestattet ist. Nach erfolgreicher Arbeit wird der Samen verdünnt, in kleine Röhrchen gefüllt, in Stickstoff tiefgefrohren und zur künstlichen Befruchtung verschickt. Romantik, Vorspiel oder geselliges Beisammensein mit den weiblichen Empfängern, zu alldem hat der Zuchtbulle keine Gelegenheit. [5]

Die moderne Hochleistungskuh

Die moderne Hochleistungskuh wurde entwickelt auf die Leistungsmerkmale einer Milchkuh und nicht die eines Fleischrindes. Die moderne Milchkuh ist kein guter Futterverwerter, sie frisst wenig und wächst dadurch langsamer als Fleischrassen. Man sieht es auch bei den modernen Kühen. Knochen und Rippen sind deutlich sichtbar, nur das Euter ist dick geschwollen. Die Holstein Friesian zum Beispiel sind groß und knochig. Sie sind auf Milch spezialisiert auf viel Milch dreissig bis vierzig Liter am Tag. Diese Kühe stecken die ganze Kraft und Energie in die Milch. Genau damit beginnt das Problem für das Kalb. Ist es ein weibliches Kalb geht es ja noch. Aber ein männliches Bullenkalb ist eigentlich ein Abfallprodukt in der Milchwirtschaft. Sowie die männlichen Kücken bei den Hühnern. [3]

Das Kalb ist zum Kostenfaktor geworden

Ein Kalb kostet Geld und bingt wenig Ertrag - muss man aber wirklich alles am Ertrag messen?
Auf allen kleineren Höfen kümmern sich die Bäuerinnen selber um die Kälber. Aber auch diese Moral ist am sinken. Früher hat der Bauer an die 100 Euro für ein Kalb bekommen. Derzeit 50 Euro wenn es gut entwickelt ist. Wenn aber nicht und das wird immer häufiger nimmt es der Viehhändler nicht einmal geschenkt. [3] Durch die großen Milchverarbeitungsbetriebe wie der in Sachsen mit 2000 Michkühen ist das Kalb ein Ertragsprodukt geworden, besser gesagt eben nicht. Die Kälber werden nach der Geburt gleich von der Mutterkuh getrennt. Auch nicht Tierfreundlich aber das das war schon vor 50 Jahren so, eine Milchkuh ist eben ein Nutztier. Damit braucht ein Kalb Mitarbeiter und das kostet Geld. Statt Muttermilch bekommen die Kälber Milchaustauscher. Ein weißes Pulver das mit Wasser angemacht wird. Das ist billiger macht aber die Kälber anfälliger. Ein Kalb braucht einen Platz, der muss gesäubert werden. Beim Trinken muss den Kälbern geholfen werden, sie können das alleine nicht. Dreimal am Tag ein Viertelstunde. Dann muss es auch noch wachsen und in ein Schema passen. Das Kalb muss genau nach Vorschrift wachsen, wenn es zu langsam wächst wird es zu alt und unverkäuflich.

Red 07.04.2016 - Experten und Quellenverzeichnis

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